Auf dieser Seite geht es darum, die folgenden Ableitungsregeln auf Terme anzuwenden, wobei auch die zweite und höhere Ableitungen vorkommen. Die Funktionsterme können Klammern, Parameter und Brüche enthalten. Der Schwerpunkt liegt auf der Ableitung ganzrationaler Funktionen. Die einzelnen Regeln mit eventuell notwendigen Umformungen sollten Sie bereits beherrschen.
Ableitungsregeln
Potenzregel:
Faktorregel:
Summenregel:
Konstantenregel: = konstant
Die Konstantenregel wird nur selten ausdrücklich erwähnt.
Einfache Ableitungen
Bereits für diese einfache ganzrationale Funktion benötigt man alle oben angeführten Regeln, aber man sollte diese so gut beherrschen, dass man nicht darüber nachdenken muss. Ausführlich könnte man schreiben:
Tatsächlich führt man die einzelnen Rechenschritte jedoch im Kopf durch: man multipliziert den jeweiligen Koeffizienten (Faktor) mit der alten Hochzahl und verringert den Exponenten um Eins. Ein konstanter Summand fällt weg. Ohne Zwischenschritt wird die Ableitungsfunktion notiert:
Da die Variable im Nenner steht, muss der Term zunächst umgeformt werden:
Nun wird abgeleitet:
Je nach Aufgabenstellung kann es sinnvoll sein, das Ergebnis wieder als Bruch zu schreiben:
Sofern nicht ausdrücklich von Ihnen verlangt wird, diese Funktion mit der Produktregel abzuleiten, sollten Sie den Term mithilfe von Potenzgesetzen umformen:
Nun kann man wie gewohnt ableiten:
Natürlich kann man das Ergebnis wieder mit einer Wurzel angeben:
Zweite und höhere Ableitungen
Unter der zweiten Ableitung versteht man die Ableitungsfunktion der ersten Ableitung, unter der dritten Ableitung entsprechend die Ableitung der zweiten Ableitung. Ab der vierten Ableitung schreibt man usw., immer mit Klammern (ohne Klammer ist etwas anderes gemeint). In der Schule werden meistens nur die drei ersten Ableitungen verwendet.
Beispiel:
Wir bilden zunächst die ersten drei Ableitungen, wobei die Brüche nach Möglichkeit gekürzt werden (also bei der ersten Ableitung beispielsweise ):
Es können beliebig viele weitere Ableitungen gebildet werden:
Jede weitere Ableitung ist Null.
Funktionsterme mit Parametern
Parameter treten üblicherweise bei Steckbriefaufgaben und bei Funktionenscharen auf. Falls Sie noch nicht wissen, was diese Begriffe bedeuten, können Sie den Hinweis getrost ignorieren; er ist für die Bestimmung der Ableitung nicht notwendig.
In diesem Fall ist ein konstanter Summand und fällt somit beim Ableiten weg. Die anderen Parameter sind konstante Faktoren und bleiben erhalten. Als Ableitung ergibt sich
Bei der zweiten Ableitung fällt der konstante Summand weg:
Mit ist auch ein konstanter Summand:
Mit ist auch bzw. eine Konstante. Also gilt:
Bei der zweiten Ableitung kommt es leicht zu Fehlern, wenn man sich nicht klar macht, dass weiterhin eine Konstante ist, hier als Summand, und somit beim Ableiten wegfällt (und nicht etwa ergibt!):
Ist das nicht die gleiche Funktion wie oben? Nein, es heißt und nicht . Die Variable ist jetzt , und somit gilt als Parameter, also Konstante.
Gerade bei dieser Funktion bereitet die Macht der Gewohnheit Schwierigkeiten: man ist so sehr darauf getrimmt, als Variable zu betrachten, dass es fast schon zwangsläufig zu Fehlern kommt. Ein wenig kann man sich helfen, indem man zumindest die Reihenfolge einhält: erst Parameter, dann Variable. Wenn man wie üblich nach fallenden Exponenten sortiert, sieht die Funktion so aus:
Damit ist die Fehlergefahr geringer. Die ersten drei Ableitungen lauten
Glücklicherweise wird man mit diesem Problem eher selten konfrontiert. Bei den meisten Aufgaben wird nicht als Parameter auftreten, sondern als Variable. Wenn Sie allerdings in Klausuren einige Funktionen nur einmal ableiten sollen, sollten Sie sehr genau darauf achten, wie die Variable heißt – gerade bei diesem Aufgabentyp testen Lehrer gern die Aufmerksamkeit der Schüler.
Funktionsterme mit Klammern und Brüchen
Falls Sie diesen Abschnitt zur Wiederholung lesen und bereits Ketten-, Produkt- oder Quotientenregel kennen: Es ist möglich, mit diesen Regeln arbeiten. Notwendig ist es jedoch nicht, und oft ist es sogar einfacher, erst umzuformen, damit man ohne diese Regeln auskommt.
Hier wird zunächst die Klammer mithilfe der binomischen Formel aufgelöst:
Nun kann ganz einfach abgeleitet werden:
Der Faktor ist konstant und muss daher nicht in die Klammer multipliziert werden; er bleibt beim Ableiten erhalten. Der hintere Teil wird ausmultipliziert:
Da dieser Term auch als geschrieben werden kann, lässt er sich mit der Faktorregel ableiten:
Sofern die Variable nicht im Nenner vorkommt, leitet man also nur den Zähler ab und lässt den Nenner stehen.
Da die Variable im Nenner vorkommt, kann man nicht mehr wie im vorigen Beispiel ableiten. Einen Bruch dieser Art teilt man in drei Brüche auf, kürzt und formt dann jeden Teilbruch so um, dass er nach den Regeln abgeleitet werden kann.